Auf den Spuren des Gebirgskriegs am Monte Piana (Piano)

Zahlen & Fakten: Parkplatz: ca. 1759 m
Höchster Punkt: ca. 2324 m

Höhenunterschied: ca. 565 m
Länge: ca. 4 km
Dauer: ca. 5½ Std.
Parken & Anfahrt: Parkplatz am Lago di Misurina an der Zufahrtstraße zu den drei Zinnen.

Um die Anfahrt zu planen, nutze bitte die interaktive Karte ganz
unten. Beim klicken auf den Pin kann die Routenplaner-Funktion genutzt werden.

Hinweise: Teilweise sehr ausgesetzte versicherte Stellen, die nicht für Kinder geeignet sind. Diese können jedoch problemlos auf dem Plateau umgangen werden. Wer diese dennoch machen will sollte Trittsicherheit und Schwindelfrei sein.
Schwierigkeit:
Kinderwagentauglich:
Landschaft:
Aussicht:
Outdooractive link: Hier klicken

Wenn ihr schon einmal einen Blick auf die „Über uns“-Seite und den Ursprung des Namens Mountainbatchers geworfen habt, dann wisst ihr, dass Jens selbst mehrere Jahre als Gebirgsjäger bei der Bundeswehr gedient hat. Aus dieser persönlichen Betroffenheit heraus ist schon während seiner aktiven Zeit ein Interesse für die Geschichte der Gebirgstruppen und des Gebirgskrieges im Allgemeinen sowie insbesondere auch für den Stellungskrieg 1915-1918 erwachsen. Und als uns der diesjährige Familienurlaub nun in unmittelbare Nähe der damaligen Frontlinie führte, bot sich die Gelegenheit Geschichtsinteresse und Wanderleidenschaft zu verbinden.

Da wir aber natürlich bei allem Geschichtsinteresse auch ein kinderfreundliches Ziel brauchten, fiel unsere Wahl ziemlich schnell auf den Monte Piana im Grenzgebiet zwischen Südtirol (ehemals k.u.k. Österreich) und Italien. Hier wird im Freilichtmuseum des 1. Weltkriegs einem der schlimmsten Kriegsschauplätze dieser Zeit mit 14.000 allein an diesem Ort getöteten Soldaten gedacht. Dazu wurden von 1977-1982 vom Verein Dolomitenfreunden an dieser Stelle bestehende Wege und Steige wieder aktiviert und um die 30 Objekte wie Schützengräben, Stollen und Galerien, Stellungen oder Truppenstützpunkte wieder in den Zustand des Jahres 1917 versetzt.

Mt-Piano013Heute kann man das Plateau nun über verschiedene Routen, wie z.B. den Pionier- oder den Heeresbergführersteig, erwandern oder es vom Misurina See aus mit einen Shuttle Dienst erreichen. Letzteres war dann auch unser Zugang der Wahl. Zum einen, da die meisten Aufstiege für die Kinder nicht nur technisch zu anspruchsvoll, sondern vor allem auch schlicht zu lang gewesen wären. Zum anderen aber auch wegen des Abenteuercharakters, den so eine Jeep-Fahrt bietet. Insbesondere, wenn man wie wir auf den Bänken im Heck Platz nehmen darf. So erreichten wir nach etwa 15 Minuten Fahrt, bei der wir bisweilen durchaus darauf achten mussten, dass weder die Kinder noch wir bei einem Schlagloch von der Bank hüpfen, ausgeruht die Bosi-Hütte.

Mt-Piano005Ende der 1920er wurde ziemlich genau an der Stelle, an der von 1915 bis 1918 am Ende der Zufahrtsstraße von Misurina das italienische Stabsquartier gelegen war, mit dem Bau einer Schutzhütte für die zurückkehrenden Wanderer begonnen. Sie wurde 1932 eröffnet und nach dem italienischen Major Angelo Bosi benannt, der hier am Monte Piana bei einer der frühen Offensiven im Juli 1917 gefallen ist. Heute ist die Bosi-Hütte nicht nur alpine Schutzhütte, sondern beherbergt auch ein kleines Museum mit Fundstücken aus den Kriegstagen.

Von hier aus führt dann ein ziemlich breiter und ausgewaschener Schotterweg weiter in Richtung Plateau. Der Einstieg ist dabei ziemlich knackig, so dass wir Anfangs doch unsere liebe Mühe hatten, die Kinder zum Voranschreiten zu bewegen. Denn harscher Wanderbeginn und langweilige breite Pfade, sind nicht nur für uns Erwachsene ein wenig motivierender Anfang.

Mt-Piano001Nachdem der Aufstieg auf das eigentliche Plateau geschafft war, hieß es sich daher auch erst einmal entscheiden, ob wir diesem öden Touristenpfad weiter folgen wollen oder doch ehr der Abzweigung nach links, dem historischen Rundweg nach. Da aber auf der Ausschilderung ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass es sich hierbei um einen „schwierigen Steig mit Kletterpassagen“ handelt, entschieden wir uns nach einer kleinen Stärkungspause doch für die erste Wegvariante. Dabei erwies es sich als durchaus motivationsfördernd, dass sich nun beidseits des Schotterwegs auch ehr holprig verlaufende schmale Pfade auftaten, die wir den Kindern als alternative Wegstrecke anbieten konnten. Praktischerweise gab es ja auch noch für jedes Kind eine eigene Route, so dass daraus schnell ein kleiner Wettbewerb entwuchs, wessen Pfad diesmal wohl der längere wäre. So gelangten wir dann doch zügig weiter Richtung Zentrum.

Mt-Piano006Gerade als auch das schon wieder langweilig zu werden drohte, erreichte dieser direkte Zubringerweg die das gesamte Plateau durchziehenden Lauf- und Schützengräben. Kaum waren wir in den ersten abgebogen, gab es für die Kinder kein Halten mehr. Während wir Erwachsenen in den zumindest im Randbereich nur noch zum Teil erhaltenen Anlagen doch noch ab und an einen Orientierungsblick über den Rand werfen konnten, waren die beiden ganz im Labyrinth der Anlagen „gefangen“. Ab jetzt war jeder Schritt ein Abenteuer: was erwartet uns nach der nächsten Kurve, welchen Abzweig sollen wir besser nehmen, was mag wohl einst in diesem sich größer öffnenden Raum gewesen sein? Und wenn Mama und Papa sich dann ab und an auch noch unter einem der die Gräben überquerenden Stege hindurchbücken mussten, dann war der Spaß für die Kinder perfekt.

Mt-Piano007Auf diese Weise gelangten wir fast ohne es zu merken immer weiter in die Nähe des Gipfelkreuzes des südlichen Hauptplateaus des Monte Piana (Cima Sud) auf 2324 m. Hier direkt am Rand mit den schroffen und steil abfallenden Schluchten hielten wir uns allerdings nur sehr kurz für ein Gipfelfoto auf. Und während die Kinder wieder etwas weiter im Zentrum, von der Mama beaufsichtigt, die ersten Eindrücke des Tages zeichnerisch festhielten, erkundete der Papa alleine die Felsgaleriestellungen in Richtung Nordkuppe.

Mt-Piano010Wie verzweigt und vielfältig die Lauf- und Schützengräben hier oben sind, bemerkten vor allem die Kinder, als dann schließlich der Papa aus einer komplett anderen Richtung zurück kam, als in die er sich zum Alleingang aufgemacht hat. Sie löcherten ihn dann auch sofort mit Fragen, was er denn entdeckt hätte, konnten aber auch verstehen, dass er sie so nah an die Abbruchkante nicht mitgenommen hatte.

Was der Papa so alles entdeckt hat auf seinem Alleingang 🙂 .
„Vom Gipfelkreuz des Monte Piana bin ich den Schützengräben entlang der Klippe bis zum i-bis Ausguck gefolgt. Auf dem Weg dorthin bin ich noch an einer unterirdischen Krankenstation und Latrine (Toilette) vorbei gekommen. Es war besser, dass ihr hier bei der Mama gewartet habt, da ich stellenweise ganz schön an der Felskante entlang klettern musste, um an den i-bis Ausguck zu gelangen. Der i-bis Ausguck war ein vorgeschobener Beobachtungsposten der Alpini (Italiener), von dem sie aus alle Truppenbewegungen im Höhlensteintal bis nach Toblach beobachten konnten und dann genau wussten wann neue österreichische Soldaten auf dem Weg zum Monte Piano oder zur Grenze unterwegs waren. Von hier aus bin ich noch etwas der Felskante entlang gefolgt und dann quer Feld ein über mehrere Schützengräben gegangen bis ich bei der Artilleriestellung „I“ an einem Sporn angekommen bin. Von dieser Stelle aus konnten die Alpini sowohl das Höhlensteintal und den Dürrensee wie aber auch die österreichischen Stellungen auf dem Nordgipfel (Monte Piano) unter Beschuss nehmen. Ab der Artilleriestellung „I“ habe ich mich dann durch mehrere Schützengräben und Stellungen auf den Weg zurück zu euch gemacht.“

Mt-Piano008Gemeinsam ging es dann am Gedenkstein für Major Bosi vorbei zur Carducci-Pyramide. Hier machten wir auf der windgeschützten Seite erst einmal richtig Mittagsrast und genossen dabei die großartige Aussicht. Da insbesondere in den Anfangsmonaten des Krieges 1915 an dieser Stelle schwere Kämpfe um die Vorherrschaft auf dem Monte Piana tobten, galten bei den Erwachsenen gleichzeitig die Gedanken nicht nur den Gefallenen auf k.u.k. österreichischer und italienischer Seite, sondern insbesondere auch denen der deutschen Unterstützungstruppen des Alpenkorps. Diese erst zur Kriegsbeginn ins Leben gerufene deutsche Gebirgstruppe war der Vorläufer der späteren Gebirgsjäger der Bundeswehr. Und auch das Edelweiß als Verbandszeichen geht auf die Leistung des Alpenkorps bei der Abwehr der italienischen Offensiven von 1915 entlang der Dolomiten-Front zurück. Das bis dahin nur von den österreichischen Gebirgstruppen getragene Abzeichen wurde im Oktober 1915 auch dem deutschen Alpenkorps als Ehrenabzeichen zuerkannt. Beschränkte sich die Trageerlaubnis anfangs nur auf die von Mai bis Oktober 1915 in den Alpen im Einsatz befundenen Soldaten, entwickelte es sich schnell zum allgemeinen Symbol- und Verbandszeichen auch der deutschen Gebirgstruppen.

Mt-Piano009Schon bald zog aber eine Art Stolleneingang direkt gegenüber unseres Rastplatzes an der Pyramide unser weiteres Interesse auf sich und riss uns aus den trüben Gedanken. Bei einer näheren Inspektion stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um den überdeckten Einstieg in einen wenige Meter tiefen senkrechten Schacht handelte, von dem dann ein Stollen abzweigte. An einer der Seiten war eine grobe Leiter befestigt. Da diese aber etwas vom vorderen Rand zurück lag, wollten wir an dieser Stelle mit einem Ein- und Abstieg in dieses unbekannte Terrain kein Risiko eingehen. Stattdessen ging Jens nochmal auf Inspektionstour in Richtung des unterirdisch abzweigenden Stollens. Und gerade, als die Kinder sich schon auf die Suche nach dem Papa machen wollten, kam er doch tatsächlich die Leiter hochgeklettert.

Jetzt waren die Kinder natürlich nicht mehr zu halten. Sie wollten unbedingt wissen, wo den der Papa da so plötzlich hergekommen ist. Da es sich nur um ein kurzes beräumtes und gut gesichertes Stollensystem handelte, brachen wir daher nun gemeinsam auf in eine der nahegelegenen Grabenanlagen, in der sich der Einstieg in den Gang befindet. Ausgestattet mit Taschenlampe und begleitet von der Mama durften die Kinder dann auch die dunkle „Höhle“ erkunden, was natürlich als ganz besonderes Highlight des Tages in Erinnerung blieb.

Mt-Piano011Von hier aus folgten wir erst einmal wieder den verzweigten Gängen durch das Felsmassiv in Richtung Norden. Kurz vor der Fortella del Castrati, der Senke, die das südliche Hauptplateau des Monte Piana von dem als Monte Piano bezeichneten Nordgipfel des Massivs trennt, erreichten wir wieder die Oberfläche. Wir gingen noch weiter bis zum Mahnmal für die am 27. August 1915 Gefallenen der 55. Infanterie. Dies sollte jedoch unser nördlichster Punkt für diesen Tag bleiben. Denn obwohl wir doch gerne auch die in der Senke direkt auf der dem der ehemaligen Grenzlinie aufgestellte Friedensglocke geläutet hätten, der Abstieg dorthin und die anschließende Rückkehr aufs Plateau plus Rückweg erschien uns doch als zu umfangreich für die Kinder. Vor allem auch, da wir die letzte mögliche Abfahrt des Shuttledienstes nicht verpassen wollten. Und da wir ja irgendwann auch noch die k.u.k. Stellungen auf dem Nordgipfel besichtigen wollen, werden wir sicher noch einmal zurückkehren und dann mit fortgeschrittenem Alter der Kinder auch die restliche Anlage besichtigen und die Glocke anschlagen.

Mt-Piano012Stattdessen machten wir uns nun langsam an den Rückweg. Bei der Weitläufigkeit des Plateaus blieben uns aber auch hierfür noch genügend alternative Routen und noch einige Entdeckungen. So gelangten wir z.B. noch an eine Feuerstellung für die italienische Luftminenwerfer oder auch an einer wiederhergestellten abgedeckten Unterstand, der einem einen kleinen Eindruck der damaligen Enge und Bedrücktheit der Quartiere gab. Übrigens der einzige Ort, an dem die Kinder nicht verweilen wollten, sondern zügig weiter drängten.

Mt-Piano002Kurz danach verließen wir aber auch die Stellungsanlagen und bewegten uns nun auf einem schmalen Pfad im Osten des Plateaus zum letzten Ziel des Tages: der 1963-1966 in unmittelbarer Nähe der Bosi-Hütte errichteten „Kapelle der Helden“, die den Gefallenen beider Seiten an diesem Ort gewidmet ist.

Schließlich ließen wir uns nach knapp 5½ kurzweiligen und eindrucksreichen Stunden, während derer wir in etwa 4 km Strecke bewältigt haben, wieder mit dem Jeep nach unten chauffieren. Auch diese Fahrt fand wieder auf den Heckbänken statt. Und so endete dieser Ausflug genauso abenteuerlich, wie er begonnen hatte.

Mt-Piano003Obwohl, so richtig zu Ende war dieser Tag dann doch noch nicht. Denn auf dem Rückweg machten wir noch zwei Mal Halt, um den Gefallenen des Gebirgskriegs von 1915-1918 die letzte Ehre zu erweisen. Der erste Stopp galt dem Soldatenfriedhof Nasswand-Toblach. Ursprünglich als Friedhof für die im Kampf um den Monte Piana verwundeten und im Nasswand-Lazarett verstorbenen k.u.k. Soldaten aller Nationen angelegt, ruhen hier heute, nach einer großangelegten Umbettungsaktion von 1926 bis 1938, über 1200 Soldaten der k.u.k. Monarchie, deren Muttersprache nicht Deutsch war. Einen zweiten kurzen Halt gab es dann noch am Ossarium von Innichen. Dieses wurde wie mehrere andere Beinhäuser nach 1926 von Mussolini entlang des neuen Grenzverlaufs errichtet, um den Anspruch an die eroberten Gebiete auf diese Weise zu manifestieren. In Innichen liegen heute die sterblichen Überreste von 250 italienischen und südtirolischen Gefallenen von 1915-1918.

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Mt-Piana-Karte

Auf den Spuren des Gebirgskriegs am Monte Piana (Piano)

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