Deising – Auf dem Rosskopfsteig durchs bayrische Jura

Zahlen & Fakten: Parkplatz: ca. 376 m
Höchster Punkt: ca. 486 m

Höhenunterschied: ca. 151 m
Länge: ca. 5,8 km
Dauer: ca. 3 Std.
Parken & Anfahrt: Rastplatz kurz nach Deising in Richtung Zell

Um die Anfahrt zu planen, nutze bitte die interaktive Karte ganz
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Hinweise:
Schwierigkeit:
Kinderwagentauglich:
Landschaft:
Aussicht:
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Was macht eine wandernde Archäologenfamilie am ersten Mai? Wandern sollte man annehmen. Nur was, wenn der Wettergott diesem Ansinnen so überhaupt nicht gnädig gestimmt ist? Wie im vergangenen Jahr eine lange Anreise über den Alpenhauptkamm hinweg wollten wir dieses Mal nicht auf uns nehmen. Stattdessen entschieden wir uns einfach dazu, die traditionelle Wanderung auf den 30. April vorzuverlegen und so quasi in den Mai hinein zu wandern.

Und da für die Alpen auch schon an diesem Vortag die Wetteraussichten etwas trübe waren, ging es zu Abwechslung mal wieder in die entgegengesetzte Richtung. Als Ziel unserer “Maiwanderung” hatten wir uns den Rosskopf hoch über Altmühlmünster und Deising herausgesucht.

Diesen erreicht man von Deising aus über verschiedene Routen des Rosskopfsteiges. Unsere Wahl fiel dabei auf die Variante Cc, die zwar die längste Streckenführung aufweist, dafür aber auch den moderateren Anstieg hat und gleichzeitig auch einen schönen Rundweg über Altmühlmünster darstellt.

Rosskopf001Los ging es an einem kleinen Rastplatz oberhalb Deisings von Zell kommenden. Von hieraus sind es nur wenige Meter, bis sich der Wandersteig deutlich angeschrieben in den Wald schlägt. Anfangs noch als geschotterter Forstweg ausgeführt, wird er bald etwas schmaler und entwickelt sich zusehends zu einem Hohlweg. Da er gleichzeitig auch immer stetig bergan führte, boten dessen Flanken willkommene Klettermöglichkeiten und entlang der Schultern, auf die Eltern hinabschauend, wurde dieser Wegabschnitte für die Kinder trotz der vermeintlichen Eintönigkeit des Weges schnell zu einem kurzweiligen Abenteuer.

So erreichten wir ohne größere Quengleien, die sonst den Einstieg in eine Wanderung ja schon mal begleiten können, nach ca. 20 Minuten Wegzeit den sogenannten Kühberg. Eine der fünf größten Hochflächen des bayrischen Juras, dessen Magerrasenflächen auch immer wieder von Schäfern aufgesucht werden. Die Begegnung mit einer Schafherde war uns allerdings nicht vergönnt. Dennoch lus die sich dem schweifenden Blick nun aber öffnende Weite zu einer ersten kurzen Rast ein, ehe uns der Abstecher zum Plateau des eigentlichen Rosskopfes noch einmal in den Wald führen sollte.

Rosskopf002Aber nicht lange und wir hatten die über Jahrhunderte genutzten Weideflächen hoch über dem Tal wieder offen an unserer Seite liegend. Und nun war es auch nicht mehr weit bis zur Aussichtskanzel des Rosskopfs, den wir nach einer knappen Stunden Gesamtwanderzeit, für 1,4 km Wegstrecke bei 100 überwundenen Höhenmetern, erreichten.

Der Höhenzug verdankt seinen Namen dem Aussehen des Abschlusses des Kalkgesteins vom Tal aus, das tatsächlich an einen Pferdekopf erinnert. Dass man von hier oben aber auch einen sehr guten Blick hinunter nach Altmühlmünster und Deising hat und dass dieser Ausblick schon lange zum Schutz der Bewohner dieses Gebietes genutzt wurde, belegt der ebenfalls seit langer Zeit überlieferte Flurname “Hohe Wacht”. Der Legende nach soll an dieser Stelle sogar schon in keltischer Zeit “ein Schloss” gestanden haben. Eine Information auf der hier aufgestellten Tafel, die natürlich auch direkt im Nachgang von dem archäologischen Teil der wandernden Familie einer näheren Prüfung unterzogen wurde. Allerdings ohne weder tatsächliche Belege, noch handfeste Gegenargumente zu finden. Aber nun ja, in jeder Legende steckt gemeinhin ein Körnchen Wahrheit und zumindest belegen die Reste der Wallanlage, die man auf dem Weg zum Sporn durchqueren muss, die aufwendige Befestigung in früherer Zeit, auch wenn sich diese zeitlich nicht genau festlegen lässt.

Rosskopf003Dem Genuss des Ortes tut all dies aber keinen Abbruch. Der Ausblick ist tatsächlich grandios und auch wenn wir das Plateau nicht ganz für uns allein hatten, konnten wir die Pause hier oben doch sehr genießen. Und nach einer kurzen Verschnaufpause bot der rückliegende Teil auch genügend Platz für die Kinder zum Herumspringen. An die Abbruchkante bzw. schon in deren Nähe ließen wir sie allerdings nicht alleine treten, sondern nur jeweils durch einen Erwachsenen gesichert, da es hier durchaus ziemlich steil hinab geht. Insgesamt verbrachten wir hier am Ende fast eine ganze Stunde, ehe wir uns auf den weiteren Weg machten.

Vom Rosskopf aus hätten wir nun auf drei Varianten zurück zu unserem Auto in Deising kommen können. Zum einen natürlich auf dem Weg des Aufstiegs. Nur die komplett identische Strecke für Hin- und Rückweg, das machen wir eigentlich nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Alternativ hätten wir auch den Eselsteig hinuntergehen können. Es handelt sich dabei um die Variante “B” des Rosskopfsteiges, die relativ steil direkt hinunter nach Deising führt und über die, ebenfalls laut einer Legende, früher auf Eseln Wasser von der Deisinger Petrusquelle hinauf auf die “Hohe Wacht” gebracht wurde. Da es aber noch früh am Tag und das Wetter noch bestens war, entschlossen wir uns dem weiteren Verlauf der Streckenführung “C” zu folgen und unsere Wanderung zu einer Runde über Altmühlmünster auszudehnen.

Rosskopf004Also ging es erst einmal ein kurzes Stück durch den Wald zurück Richtung Hochfläche. Die Strecke hier über die weiten Magerrasenflächen und teils auch entlang geschotterter Feldwege bot wieder ganz neue Möglichkeiten des gemeinsamen Wanderns, da die Kinder auf der weiten Fläche auch gut einmal frei springen konnten, sich in Wettrennen auf verschiedenen Wegeführungen oder auch im Pfadfinden in mitten einer kaum ausgetretenen Wiese üben konnten. Aber schon nach weiteren 30 kurzweiligen Minuten war auch dieser Streckenabschnitt schon wieder gemeistert und der Weg führte uns nun wieder stetig hinab in Richtung Altmühlmünster.

Rosskopf005Anfangs noch mehr am Waldrand entlang, verlief der von Laub bedeckte Weg dann auch schnell wieder in mitten eines dichten Mischwaldes, dessen Lichtspiele auch immer wieder die Fantasie anregten und Wohnräume von Elfen, Feen und Einhörnern entstehen ließ. So merkten wir fast gar nicht, wie wir uns zusehends wieder der Zivilisation näherten und uns ziemlich unvermittelt auf einer asphaltierten Straße wieder fanden.

Rosskopf006Und obwohl wir uns jetzt nur noch in der Ebene bewegten, war das Ergebnis die erste Quengelei über müde Füße und langweilige Wanderei an diesem Tag. Das alles war aber sofort vergessen, als sich direkt gegenüber der Ortskirche ein kleiner Spielplatz mit auftat. Diese verdiente “Pause” für die Kinder gab uns Eltern auch die Gelegenheit uns an der hier aufgestellten Tafel ein wenig über die Geschichte von Altmühlmünster zu informieren. Immerhin sollte an diesem Ort in dem beschaulichen Seitental der Altmühl schon um das Jahr 800 n. Chr. eine Einsiedelei bestanden haben. Das eigentliche Kloster Altmühlmünster wurde dann 1155 von den Burggrafen von Riedenburg zu Gunsten der Tempelritter gestiftet. Später ging es dann an die Johanniter über, die weitreichende Aus- und Umbauten bis in das 17. Jahrhundert hinein vornahmen. Nach der Säkularisation wurde das Kloster aufgelöst. Einzig die Kirche besteht noch heute weitgehend unverändert, auch wenn ihr schlichter Anblick uns ein wenig enttäuschte.

Rosskopf007Nachdem die Kinder den Spielplatz hinreichend ausgetestet und wir Eltern uns so ein wenig kulturell gebildet hatten, hieß es aber schließlich, doch noch die Runde bis zu unserem bei Deising abgestellten Auto abzuschließen. Also folgten wir jetzt der Hauptstraße von Altmühlmünster weiter bis zum Eingang in dieses Seitental. Im Altmühltal selber angelangt, führten uns dann Feld- und Wirtschaftswege mit immer wiederkehrendem Blick auf den Main-Donau-Kanal um den Rosskopf herum nach Deising zurück.

Rosskopf008Im Ortsinneren stießen wir schließlich auf den Deisinger Bach, dem wir etwa 300m stromaufwärts zu seinem Quelltopf folgten, der uns schon in Zusammenhang mit dem Eselsteig auf dem Rosskopf begegneten Petrusquelle. Sie wird beim Bayrischen Landesamt für Umwelt als Biotop ausgewiesen und aus einer unterirdischen Karsthöhle (http://www.wasserhoehlenforschung.de/_html/forschung01-pqh-la.htm) gespeist. Oberhalb dieser liegt die romanische Petruskirche, in deren Sichtweite wir schließlich auch unser Auto wieder fanden.

Rosskopf009Schließlich hatten wir nach knapp 4 Stunden auf einer abwechslungsreichen Rundstrecke von 5,8 km bei 151 Höhenmetern unsere vorgezogene Maiwanderung bei bestem Wetter abgeschlossen. Sie hat uns mal wieder nicht nur an schöne Naturorte geführt hat, sondern auch einiges Wissen zur Geschichte dieses Teils des Altmühltals vermittelt. Und weil es noch früh am Tag und der angekündigte Wettersturz noch fern war, machten wir auf dem Rückweg noch einen Abstecher zum AltmühlBob und ließen den Tag bei einer rasanten Sommerrodelfahrt ausklingen.

Rosskopk-Karte
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Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch euer Mountainbatchers Team !!
Empfohlene Literatur
ADAC Wanderbuch Deutschland: Die 100 schönsten Touren von Rügen bis Oberstdorf (ADAC Wanderführer) Altmühltal: Ries - Jura - Fränkisches Seenland. 50 Touren. Mit GPS-Tracks. (Rother Wanderführer) ADAC Wanderführer Altmühltal & Fränkisches Seenland
Unteres Altmühltal: Wanderkarte mit Kurzführer und Radwegen. GPS-genau. 1:50000 (KOMPASS-Wanderkarten, Band 178)

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