Hüttenabenteuer Teil 1 – Vom Traum und seiner Umsetzung

Manchmal reichen Kleinigkeiten um Sehnsüchte zu wecken. Im Fall unserer großen Tochter waren es mehrere Paar Kinderhausschuhe im Schuhregal des Spitzsteinhauses im vergangenen November. Einer unserer letzten Wanderausflüge des Jahres hatte uns dorthin geführt. Und nachdem wir ihr, auf ihre Nachfrage, warum es dort so viel Hausschuhe und vor allem auch welche für Kinder gäbe, erklärt hatten, dass man auf Berghütten auch übernachten kann, war sie für diese Idee entfacht. Am liebsten wäre sie gleich dort geblieben. Da wir aber in keinster Weise auf eine Hüttenübernachtung vorbereitet waren, versprachen wir ihr, dies bald möglichst nachzuholen.

Also machten wir uns ab dem Frühjahr daran unsere erste Hüttenübernachtung mit Kindern zu planen. Für den erwachsenen Wanderer stellt das Schlaflager einer alpinen Hütte ja in der Regel nur eine Zwischenstation auf einer mehrtägigen Wanderung dar und wird daher ehr nach Kategorien wie „Lage an der Route“ o.ä. ausgewählt. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, kommen auch hier noch viele andere Aspekte dazu. Das fängt schon damit an, dass viele Schutzhütten hochalpin gelegen sind und nur über recht lange und oft auch stellenweise ausgesetzte Wege zu erreichen sind. Mit Kindern im unteren Kindergartenalter kaum zu machen. Außerdem war bei uns diesmal ja nicht nur der Weg das Ziel, sondern auch und gerade die Hütte. Entsprechend sollte sie doch auch ein paar Möglichkeiten für eine Freizeitgestaltung mit Kindern direkt vor Ort bieten. Selbstverständlich erwarteten wir dabei keinen voll ausgestatteten Spielplatz am Berg, aber die Lage der Hütte sollte nach Möglichkeit so sein, dass die Kinder in einem ebeneren Stück in Hütttennähe auch mal unbefangen spielen können. Und da wir, um das Abenteuer komplett zu machen, auch mit zwei Übernachtungen planten, sollte von der Hütte auch mindestens eine kindgerechte Halbtagestour möglich sein. Abhängig von Alter und Charakter der Kinder kann es dann auch ganz allgemein sinnvoll sein, eine Hütte zu wählen, die neben dem Matrazenlager auch private Mehrbettzimmer verfügbar hat.Hantenjoch-Teil1-1_wm1Hantenjoch-Teil2-001Auf Grund persönlicher Erfahrungen als Kind, favorisierten wir von Anfang an die Anhalter Hütte in den Lechtaler Alpen, auf der Jens selber im Alter von 5 Jahren seine erste Hüttenübernachtung verbrachte. Seinerzeit allerdings über den Aufstieg von Namlos, der uns für unsere gerade dreijährige kleine Tochter aber doch zu weit war. Praktischerweise erreicht man die Anhalter Hütte aber auch vom Hahntennjoch aus über das Steinerne Jöchl in etwa 2,7 Kilometer. Eine Distanz, die wir im Laufe des Jahres schon mehrfach erfolgreich gemeistert hatten. Dennoch informierten wir uns im Vorfeld ausgiebig über die aktuelle Ausstattung und Zugänglichkeit, denn immerhin war der letzte Besuch auf der Anhalter Hütte schon über 30 Jahre her.

Eine große Hilfe war für uns dabei neben der Homepage der Anhalter Hütte auch die des DAV. Bei letzterer ist besonders die interaktive Hüttensuche, bei der auch das DAV Zertifikat „Mit Kindern auf Hütten“ eine der Suchoptionen ist, praktisch. Aber auch die DAV Broschüre „Mit Kindern auf Hütten“ ist auf jeden Fall eine sinnvolle Lektüre bei der Vorbereitung einer Hüttentour mit Kindern. Sie steht auf der Seite des Alpenvereins auch zum Download zur Verfügung (Download Alpenverein oder Mountainbatchers ).

Mit Kindern auf Hütten Broschüre

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Immer wieder kommt es vor allem in stark frequentierten Gebieten und hier natürlich auch insbesondere in der Hochsaison bzw. an den Wochenenden vor, dass es auf Hütten ziemlich eng wird. Bisweilen stehen Wanderer an solchen Tagen sogar vor einer überfüllten Hütte. Als Erwachsener kann man jetzt ggf. wieder absteigen oder sein Glück in der nächsten Hütte versuchen. Beide Optionen kommen je nach Anlaufdistanz in Begleitung von Kindern aber nicht in Frage. Und auch das Notlager ist in Begleitung von kleinen Kindern sicher weniger erstrebenswert. Von daher sollte man auf jeden Fall, sobald die Wahl der der Hütte getroffen wurde, auch die Unterkunft reservieren. Da die Hüttenwirte ja oft langjährig tätig sind, geht das meist auch schon zu Zeiten, wo die Hütte noch nicht bewirtschaftet ist. Auch wir nutzten so die Möglichkeit einer frühen Anfrage. Und das war auch gut so. Denn obwohl wir uns schon kurz nach Ostern mit der Hüttenwirtin in Verbindung setzten, konnte sie uns tatsächlich nur noch für zwei von insgesamt sechs angefragten Wochenenden ein Vier-Bett-Zimmer anbieten.

Nachdem alle grundlegenden Entscheidungen getroffen und alles im Vorfeld zu Organisierende organisiert war, kehrte dann erst einmal etwas Ruhe an der „Hüttenfront“ ein. Erst drei – vier Wochen bevor es losgehen sollte, fingen wir dann wieder an, im Kopf und später auch auf dem Papier die Packlisten zusammenzustellen. Immerhin wollten wir ja sogar zwei Nächte auf dem Berg bleiben. Zum Glück war unsere Kleine mittlerweile „windelfrei“. Denn wie bei jeder anderen Bergtour auch gilt natürlich auch für den Besuch einer Hütte: was man hinauf trägt, trägt man auch wieder selber hinunter. Hinzukommt, dass insbesondere kleine Kinder ja nur maximal 10% ihres Körpergewichts selber im Rucksack tragen sollen. Das ist mit ausreichend trinken, ein wenig Reiseproviant und dem Kuscheltier schnell erreicht. Alles andere an notwendigem Gepäck muss zusätzlich auf die Rucksäcke der Eltern verteilt werden.

Aber schließlich waren am Vorabend unseres Abenteuers auch die Rucksäcke fertig gepackt und wir gingen voller Vorfreude ins Bett.

Hantenjoch-Teil1-2_wm

Was gehört eigentlich in den Rucksack für so ein Hüttenabenteuer: Hier gibt es leider kein Pauschalrezept oder Schema „F“. Hier nur mal ein paar Punkte zur Gedankenstütze.

  • Funktionelle Kleidung – speziell für die Kids die auch dreckig werden darf.
  • Ausreichend Wechsel Wäsche, für die Kinder eine extra Garnitur mit einpacken.
  • Regen und Kälteschutz
  • Sonnenschutz
  • Extra Wandersocken für die Kinder, da diese auch mal nass werden können.
  • Bergschuhe für die Kinder, die über den Knöchel gehen und ein gutes Profil aufweisen.
  • Verbandssachen und Notfallmedikamente inkl. Rettungsdecke
  • Sicherungsgeschirr, Seil und Karabiner für die Kinder
  • Funkgeräte, für den Fall dass man in zweier Gruppen läuft.
  • Taschenmesser
  • Notfall Proviant
  • Ausreichend Trinken auch für die Kinder
Im Teil 2 erfahrt ihr dann den Aufstieg zur Anhalter Hütte

 

Hantenjoch-Teil2-Karte

Anhalter Hütte über Hahntennjoch

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Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch euer Mountainbatchers Team !!
Empfohlene Literatur
Tirol Oberinntal: 50 Touren zwischen Innsbruck und Arlberg (Rother Wanderbuch) Lechtaler Alpen: Alpenvereinsführer alpin Hüttentrekking Bd.1: Ostalpen. 32 Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte (Rother Selection)
Bayerische Alpen. Natur - Pflanzen - Tiere: mit Wanderungen und Erkundungstipps (Rother Selection) Lechtaler Alpen - Heiterwand: Topographische Karte 1:25.000, Wegmarkierungen und Skirouten (Alpenvereinskarten)

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