Hüttenabenteuer Teil 3 – Zwei Nächte auf der Anhalter Hütte

Zahlen & Fakten: Parkplatz: ca. 1887 m
Höchster Punkt: ca. 2198 m

Höhenunterschied: ca. 345 m
Länge: ca. 2,9 km
Dauer: ca. 4 Std.
Parken & Anfahrt: Wanderparkplatz Hahntennjoch

Um die Anfahrt zu planen, nutze bitte die interaktive Karte ganz
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Hinweise: Ausreichend Trinken mit nehmen Südhang ohne Quelle
Schwierigkeit:
Kinderwagentauglich:
Landschaft:
Aussicht:
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Früh am Morgen waren wir in Richtung Hahntennjoch aufgebrochen, von wo aus wir in insgesamt 4 Stunden zur Anhalter Hütte wanderten. Die Wetterprognosen hatte uns zu diesem zeitigen Aufstieg animiert, denn für den späten Nachmittag sollte die bis dato vorherrschende Schönwetterlage mit stellenweise reichlich Regen zu Ende gehen und wir wollten doch trocken in unser erstes Hüttenabenteuer starten.

Wie es uns dabei auf dem Weg vom Hahntennjoch zur Anhalter Hütte ergangen ist, könnt ihr hier nachlesen.

Der frühe Vogel fängt aber bekanntlich den Wurm oder gelangt in unserem Fall gemütlich und bei noch besten Wetterbedingungen ans Ziel. An der Hütte angekommen galt es nach einer ersten Stärkung dann erst einmal das reservierte Zimmer zu beziehen. Wir hatten uns insbesondere auf Grund des noch jungen Alters unserer Kleinen bewusst gegen das Matratzenlager und für ein privates 4-Bett-Zimmer entschieden. Im Fall der Anhalterhütte ist dieses mit zwei Stockbetten ausgestattet, in denen man -wie auf Hütten üblich- bitte nur mit Hüttenschlafsack nächtigen sollte. Da wir Eltern aber ja nicht nur unsere Ausrüstung und Wechselwäsche dabei hatten, sondern auch die der Kinder, hatten wir beim Packen der Rucksäcke bewusst darauf verzichtet auch noch je zwei unserer Exemplare den Berg hoch zu tragen und investierten nun lieber in die Leihgebühr für welche vom Haus.

2015-07-24 15.42.06_wmNachdem sich vor allem die Kinder in unserem kleinen Reich erst einmal ein wenig ausgeruht hatten, während wir Eltern uns etwas häuslich einrichteten und die Rucksäcke für die kommenden Tage aus- und umgepackt hatten, ging es dann hinunter in die gemütliche Stube. Hier wurden dann auch gleich einige der bereitgestellten Spielsachen der als familienfreundlich eingestuften Hütte ausgiebig ausgetestet. Und natürlich mussten die Eindrücke des Aufstiegs auch im Tourenbuch festgehalten werden. Ute von Zwerg-am-Berg hierfür noch mal ein Dankeschön für die liebevolle Gestaltung. Die eigenen Eintragungen wurden schließlich noch mit dem Hüttenstempel besiegelt.

Da der Tag nun aber doch ziemlich lang war und es beide Kinder dank der Aufregung weder bei der Anfahrt zum Hanhntenjoch, noch in der Ruhephase nach dem Aufstieg wirklich geschafft hatten auch nur kurz die Augen zu schließen, entschieden wir uns für ein frühes Abendessen. Dieses fiel hüttentypisch reichlich und gut aus. Und auch für die Kinder war etwas passendes dabei, ohne gleich in die Süßspeisenabteilung ausweichen zu müssen. Anschließend ging das Abenteuer für die Kinder dann im Waschraum weiter, wo es erstmals die Erfahrung zu machen galt, was es heißt, nur kaltes Wasser für die persönliche Hygiene zur Verfügung zu haben. Übrigens mit einer der Gründe, warum Carmen, die Hüttenwirtin, die Anhalter Hütte erst für Kinder ab 3 Jahren empfiehlt.

Schließlich lagen unsere zwei Wanderinnen aber doch reichlich erledigt in den unteren Etagen der Stockbetten und waren auch ruckzuck eingeschlafen. Für uns Eltern die Gelegenheit noch einmal kurz zum gemütlichen Teil des Abends in der Stube überzugehen. Auch hierfür war natürlich das private Zimmer ein großer Vorteil, denn im offenen Matratzenlager mit seinem Kommen und Gehen hätten wir sie nie auch nur für einen kurzen Moment alleingelassen. So stellten wir bei unseren Walkie-Talkies die Babyphone-Funktion ein, schauten trotzdem abwechselnd in kurzen Abständen nach dem rechten und konnten auch noch entspannt den Tag ausklingen lassen. Da es aber auch für uns ein langer Tag war und wir noch nicht wussten, was die Nacht bringen würde, zogen auch wir uns ziemlich früh zurück. Nicht jedoch ohne vorher unsere Zimmertür auf kreative Art gegen kleine Ausreiser auf der Suche nach dem Klo zu sichern, die wir selber schlafend vielleicht nicht gleich mitbekommen würden.

Wobei diese Sorge tatsächlich unbegründet war. Fremde Umgebung und neue Betten lassen wohl auch Eltern nur recht flach schlafen. Jedenfalls bekamen wir alle Aufwachphasen der Kinder stets rechtzeitig mit. Und das Abenteuer ging so dann auch nachts weiter, wenn es galt die Kinder abwechselnd durch das schlafende Haus zu den Toiletten im EG zu begleiten. Fast könnte man glauben, dass dies einen besonderen Reiz hatte, denn normalerweise gehen unserer Kinder nachts nicht jeweils dreimal aufs Klo.

Nachdem es die Nacht über doch stetig geregnet hatte, erwarteten uns beim Aufwachen nur noch leichte Wolkenfelder, die mit zunehmendem Aufgang der Sonne auch mehr und mehr vertrieben wurden. Zwar waren auch für diesen Nachmittag wieder Regenfälle angekündigt, der geplanten Halbtagestour auf den Tschachaun sollte so aber eigentlich nichts im Wege stehen.

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2015-09-17 13.39.05Zuvor stand aber noch das Hüttenfrühstück auf dem Programm, das auch so reichhaltig ausfiel, dass noch gut ein paar Brote für den Tag vorbereitet werden konnten. Selbstverständlich trugen wir dann unsere Tourenplanung auch noch ins Hüttenbuch ein. Es sollte zwar nur auf den „Hausberg“ gehen, dennoch ist Vorsicht bekanntlich besser als Nachsicht. Und ganz abgesehen vom Sicherheitsaspekt eines solchen Vermerks im Hüttenbuch, in heutiger Zeit am besten auch mit Handynummer, sollte man hier auch den Nostalgiegedanken nicht außer Acht lassen. Immerhin kann es ganz reizvoll sein, seinen Eintrag von damals wieder herauszusuchen, wenn man nach Jahren auf eine Hütte zurückkehrt. Auch wir wollten eigentlich den Kindern den Eintrag von Oma, Opa und Papa von anno 1982 zeigen, als Jens hier ebenfalls seine erste Hüttenübernachtung als Kind hatte. Leider war das aber nicht möglich, da die alten Hüttenbücher zum Hüttenjubiläum 2012 ins Archiv der Sektion Unterer Neckar nach Rottweil verbracht worden sind.

Dann ging es hinter der Hütte entlang der Senke „In der Krom“ Richtung Norden. Der schmale Pfad, auf dem man oft nur hinter einander gehen kann, führt dabei entlang der Flanke des Tschachaun leicht ansteigend Richtung Kromsattel. In der Senke unterhalb konnte man noch gut den im Sommer oft versickerten Kromsee erkennen. Gegenüber beeindruckte die Nordwand des Maldongrad.

Huette3-012015-07-25 09.22.26_wmZu einem Erlebnis vor allem für die Kinder wurde diese Tour erstmals, als auf Höhe des Tschachaun Quellgebiets plötzlich vom Almboden der Imster Ochsenalpe eine Pferdeherde heraufkam. Auch für uns Eltern war dieser Anblick insofern bemerkenswert, als es sich wirklich um eine sehr große Herde handelte und man fast den Eindruck bekam, die Tiere fänden gar kein Ende. Schließlich hatten aber doch wohl alle unseren Standort passiert und wir konnten unseren Weg weiter verfolgen. Allerdings waren die Naturerlebnisse noch nicht zu Ende. Denn kaum ein wenig weiter gegangen, konnten wir erstmals in der Ferne auch Murmeltiere erkennen.

2015-07-25 09.47.23_wmSo näherten wir uns Zusehens dem Kromsattel. Allerdings zeigte sich gleichzeitig das der Wegeuntergrund vom nächtlichen Regen immer stärker durchnässt war. Es handelte sich Zusehens um lockeren Schieferschotter, der stellenweise auf Grund der Oberflächennässe auch ziemlich rutschig wurde. Obwohl auch unsere Kleine über für ihre Größe gute knöchelhohe Wanderschuhe mit entsprechendem Profil verfügte und auch mit Gurt und Seil gesichert war, fühlte sie sich Zusehens unwohl. Und da ihre Lederschuhe auch noch nicht über eine wasserabweisende Membran verfügen und man nun auch immer öfters durch kleiner Pfützen schreiten und schließlich sogar einen kleinen Gebirgsbach durchqueren musste, entschieden wir uns kurz vor dem Anstieg zum Kromsattel dazu, auf das Gipfelerlebnis zu verzichten.

Stattdessen gingen wir wieder ein Stück den Weg zurück, bis unterhalb des Tschachaun-Quellgebiets, um hier gemütlich zu picknicken und inmitten der Pferdeherde das Abenteuer Bergwiese zu erleben. Die Kinder hatten hier auf jeden Fall auch ihren Spaß, wir Eltern verlebten so einen entspannten Nachmittag und dank der in diesem Bereich liegenden Ruinen hochmittelalterlicher Metallscheiden wurde er auch noch historisch interessant.

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Huette3-03Schließlich machten wir uns am frühen Nachmittag wieder auf den Rückweg zur Hütte. Hier erwartete uns eine vom Vortag noch vollkommen unbekannte Betriebsamkeit, da nun auch die ganzen reinen Wochenendausflügler nach und nach ankamen. Wir fragten uns ernsthaft, wo und wie die 20köpfige Gruppe, die auf Grund der Wetterlage erst am Vormittag abgesagt hatte, noch hätte unterkommen wollen.

Zu unserem Glück waren aber nicht alles Übernachtungsgäste. Und auch wenn wir unseren schönen Erkertisch vom Vortag „verloren“ hatten, fanden wir doch nach einer kurzen Ruhephase für die Kinder ein gemütliches Plätzchen in der Stube. Hier liesen wir dann den Tag bei einem Spielnachmittag/-abend, der nur vom Abendessen unterbrochen wurde ausklingen, während sich draußen schon das nächste Regenband austobte.

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2015-07-25 19.10.23_wmNachdem die folgende Nacht schon nicht mehr ganz so neu und aufregend war und von daher auch etwas ruhiger verlief, hieß es dann am Morgen nach dem Frühstück schließlich langsam Abschied nehmen von der Anhalter Hütte, aber nicht bevor noch den Hüttenfuchs bei seinem Frühstück beobachtet hatten. Unsere Rechnung hatten wir hüttenüblich schon am Vorabend beglichen und mussten so nun nur noch wieder alles Gepäck in den Rucksäcken verstauen, das Zimmer besenrein räumen und natürlich auch heute wieder den Eintrag ins Hüttenbuch zu tätigen. Da vor allem unsere Kleine etwas verfroren ist und dann im wahrsten Sinne des Wortes „einfriert“, statt sich durch Bewegung aufzuwärmen, liesen wir uns dann mit dem Abmarsch aber noch etwas Zeit, bis es die Sonne auch ins Gebiet der Plötzigalp unterhalb der Anhalter Hütte geschafft hat. Die Zeit nutzen wir noch schnell, um unser Beleg-Familiefoto für die erste Hüttenübernachtung der Kinder zu machen. Natürlich unter dem gleichen Fenster, wie seinerzeit die Aufnahme von Jens mit Mutter und Bruder entstand.

Huette3-04Der Rückweg zum Hahntennjoch erfolgte schließlich auf dem gleichen Weg übers Steinjöchl wie der Aufstieg zu Hütte zwei Tag zuvor. Und nachdem nun auch endlich wieder eine stabilere Schönwetterlage Einzug hielt, konnten wir, wenn es auch am Steinjöchl selbst dafür etwas zu windig war, ein Stückchen unterhalb unser schon für den Hinweg geplantes Picknick nachholen. Anschließend ging es gemütlich hinunter zu unserem am Hahntennjoch auf uns wartenden Auto. Ausklingen ließen wird dann den Tag und unser ganzes Hüttenabenteur bei (Butter-)Milch und Butterbrot auf der Imster Milchalpe kurz unterhalb des Passes.

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Hantenjoch-Teil2-Karte

Anhalter Hütte über Hahntennjoch

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Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch euer Mountainbatchers Team !!
Empfohlene Literatur
Tirol Oberinntal: 50 Touren zwischen Innsbruck und Arlberg (Rother Wanderbuch) Lechtaler Alpen: Alpenvereinsführer alpin Hüttentrekking Bd.1: Ostalpen. 32 Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte (Rother Selection)
Bayerische Alpen. Natur - Pflanzen - Tiere: mit Wanderungen und Erkundungstipps (Rother Selection) Lechtaler Alpen - Heiterwand: Topographische Karte 1:25.000, Wegmarkierungen und Skirouten (Alpenvereinskarten)

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