Familien Wanderung auf die Franz-Senn-Hütte mit Abstecher zum Höllenrachen

Zahlen & Fakten: Parkplatz: ca. 1746 m
Höchster Punkt: ca. 2198 m

Höhenunterschied: ca. 453 m
Länge: ca. 8 km
Dauer: ca. 4 Std.
Parken & Anfahrt: Wanderparkplatz Oberissalm

Um die Anfahrt zu planen, nutze bitte die interaktive Karte ganz
unten. Beim klicken auf den Pin kann die Routenplaner-Funktion genutzt werden.

Hinweise: Geeignete Bergschuhe
Schwierigkeit:
Kinderwagentauglich:
Landschaft:
Aussicht:
Outdooractive link: Hier klicken

Nach nun fast 3 Jahren ohne Hochgebirgshütte, ich meine hier natürlich mit Auf- und Abstieg, war ich auf der Suche nach einer Hütte, die an einem Tag für die Kids zu bewältigen ist. Dabei sollten sowohl die Wegstrecke wie auch die zu absolvierenden Höhenmeter so gewählt sein, dass diese von den Kindern gut an einem Tag zu bewältigen sind. Diese zwei bzw. drei Vorgaben stellten mich vor eine gewisse Herausforderung, da ich mir einbildete es müsse auch mal wieder eine Tour am Alpenhauptkamm sein, ganz nebenbei sollte auch die Anfahrt nicht über 2 ½ Stunden liegen. Mit alle diesen Vorgaben bin ich nun auf die Suche gegangen in verschiedenen Wanderführern sowie auch online. Nach einigen Stunden an Recherche blieb ich dann bei der Franz-Senn-Hütte im Oberbergtal hängen. Das Oberbergtal ist ein Seitental des Stubaital und ist von Neustift im Stubaital erreichbar.

Die Franz-Senn-Hütte liegt auf 2147 m direkt am Stubaier Höhenweg und ist die größte und modernste Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins, Sektion Innsbruck. Erbaut wurde die Hütte bereits im Jahr 1885 vom Deutsch-Österreichischen Alpenverein und ist nach dem Pfarrer von Neustift Franz Senn benannt, der ein Pionier im Stubai für Alpinismus und Tourismus war. Die Hütte wurde in den Jahren 1907 und 1932 erweitert und 1960 auf die heutige Größe ausgebaut. In der Zeit des zweiten Weltkriegs war die Hütte gesperrt, da sie vom Heer als Hochgebirgsschule für Gebirgsjäger genutzt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Materialseilbahn, die noch heute genutzt wird.

Der Aufstieg:

Nun aber genug von geschichtlichen Hintergründen und wenden uns der Tour zu. Wir starten unsere Runde am gebührenpflichtigen Wanderparkplatz der Oberissalm (5€ am Tag, Stand: 06/2018). Von hier führen zwei Wege auf die Franz-Senn-Hütte, der Sommer- oder der Winterweg. Wir entschließen uns zum Aufstieg für den Sommerweg, der zwar am Anfang einen knackigen Anstieg hat, aber danach fast auf einer Höhe zur Hütte führt.

Wir folgen also von der Oberissalm der Ausschilderung zur Franz-Senn-Hütte, zuerst noch auf einem breiten Wirtschaftsweg der Alm, bis zu einem Viehgatter. Dieses etwas langweilige Stück des Weges ist zum Glück nach 10 Minuten geschafft. Direkt nach dem Viehgatter zweigt der Sommerweg nach rechts ab, von wo es in engen Serpentinen am Fuß von der „Hohe Villerspitze“ nach oben geht. Bereits nach kurzer Zeit hat man einige Höhenmeter gewonnen und kann die ersten grandiosen Ausblicke in das Oberbergtal in Richtung Neustift und der Kreuzspitze genießen. Nun schlängelt sich der Weg auf einem Höhenrücken entlang, der auf der einen Seite steil in ein Karr abfällt und in die andere Richtung nicht weniger steil in das Oberbergtal, stetig weiter nach oben. Nach gut 20 min. seit der Abzweigung und einer bewältigten Höhe von knapp 200 Hm wird der Weg etwas flacher, Zeit für eine Trinkpause. Wir genießen weiter den grandiosen Ausblick auf die Stubaier Alpen. Die Oberissalm mit den geparkten Autos ist in der Zwischenzeit schon so klein, dass die Kleine gemeint hat: „Papa, die Autos sehen wie Spielzeugautos aus“. Aber auch die Flora und Fauna kommen hier nicht zu knapp. Wir sind umgeben von Alpenrosen, Ringelblumen uvm. sowie jeder Menge Schmetterlingen, der verschiedensten Gattungen.

Der Weg führt nun durch einen dichten Latschenkiefernwald entlang des Hangs und wir dachten schon das Schlimmste sei nun überstanden, bis wir hinter der nächsten Kurve eines Besseren belehrt wurden, wo es wieder steil bergauf geht. Nun werden die Latschen immer niedriger und wir nähern uns der Waldgrenze. Die Sonne sticht nun immer heftiger von oben. Nach weiteren 20 Minuten und weiteren 100 Höhenmetern haben wir auch dieses Steilstück überstanden und wir nehmen eine Bank am Wegesrand, die im Schatten der letzten Latschen steht, dankend für eine etwas ausgiebigere Pause an. Hier öffnet sich nun auch das das Alpeinertal, das obere Ende des Oberbergtals, und wir können zum ersten Mal einen Blick auf die Franz-Senn-Hütte erhaschen sowie auf die grandiose 3000er Gipfellandschaft des Alpeinertals.

Der Weg zieht sich nun mäßig ansteigend über die Alpeiner Hochalm an der Alm selber vorbei bis wir hinter dieser auch mit dem Winterweg wieder zusammentreffen. Hier nun geht der Weg nun erstmal wieder etwas abwärts in ein Karr bevor es dann den letzten Anstieg zur Hütte zu bewältigen gilt.

Aber der Reihe nach: Nach dem Zusammentreffen des Sommer- und Winterwegs geht es ein paar Höhenmeter abwärts in ein Karr, von hier aus kann man erste Blicke in die Schlucht des Alpeiner Bachs erhaschen. Die Schlucht des Alpeiner Bachs ist geologisch gesehen eine sehr junge Schlucht, sie entstand erst spät am Ende der letzten Eiszeit, als sich die Gletscher zurückzogen, ist aber noch nicht so tief eingeschnitten wie eine Klamm, da das umgebende Gestein hier sehr hart ist. Aber es ist schon beeindruckend hier dem Wasser bei der Arbeit zu zusehen wie es mit der Zeit aus einer Schlucht eine Klamm formt.

Der Weg zieht sich nun am Rande der Schlucht über riesige Gletscherschliffe weiter hinauf. Die Ausblicke in die Schlucht und auf die Gletscherschliffe sind so beeindruckend, dass man alle paar Meter stehen bleiben könnte, um ein Foto zu machen oder einfach nur um die Ausblicke zu genießen.

Nach weiteren 20 min. erreichen wir nun die die Franz-Senn-Hütte. So haben wir den Aufstieg von ca. 400 hm bei einer Distanz von 3 km in knappen 70 min. bewältigt.

Nun heißt es erstmal ausgiebig rasten auf der Hütte und sich natürlich auch mit einer zünftigen Speckknödel-Suppe zu stärken. Auch für die Kinder ist hier an Spielmöglichkeiten einiges geboten. Von einer Bergmurmelbahn bis hin zu einem Bergsandkasten. Der Schaukelbereich ist leider nur für die private Benutzung der Kinder von der Hütte. Die Kinder fanden aber eh die Bergmurmelbahn besonders toll.

Wer sich entschließt auf der Hütte zu übernachten, kann von hier mehrere Aktivitäten mit den Kindern unternehmen. Klettersteige, wie der Höllenrachen oder der Übungsklettersteig Sommerwand, der Edelweiß-Klettersteig (nur für geübte Klettersteiggeher) sowie die Seilrutsche und die verschiedenen Klettergärten lassen den Urlaub auf der Franz-Senn-Hütte zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden. Wanderungen zum Rinnensee und taleinwärts zum Alpeiner Ferner runden den Besuch auf der Franz-Senn-Hütte ab.

Abstecher zum Höllenrachen:

Nach der Stärkung ging es für uns noch etwas weiter taleinwärts zum Höllenrachen. Der Höllenrachen ist eine geologische Besonderheit und besteht größtenteils aus Granit und ist somit noch härter als der umgebende Gneis. Daher hatten die eiszeitlichen Gletscher keine Möglichkeit diese Gesteinsformation abzutragen. Im Laufe der Jahrtausende nach der Eiszeit hat sich hier der Alpeiner Bach auf 40 m tief zum Teil auch unterirdisch in das Gestein eingeschnitten. Es ist schon gewaltig, so über den tosenden Wassermassen zu stehen. Durch den Höllenrachen führt auch ein versicherter kurzer Klettersteig, teils sogar unterirdisch, den wir aber diesmal noch mangels Ausrüstung nicht genommen haben.

Der Weg selber zum Höllenrachen von der Franz-Senn-Hütte führt über ein Hochmoor entlang des Alpeiner Bachs, ist sehr schön mit traumhaften Blicken auf die umliegenden Berge und gestaltet sich als kurzweilig. Der Höllenrachen ist von der Hütte in gut 20 Minuten zu erreichen. Das Gebiet um den Höllenrachen ist absolutes Murmeltierrevier, also schön leise sein und ihr könnt die Murmeltiere ganz toll beobachten.

Der Abstieg:

Zurück geht es nun erst einmal wieder denselben Weg bis zur Hütte und weiter bis zur Abzweigung zum Winterweg. An der Abzweigung weißt ein Schild daraufhin, dass dieser Weg nicht vom ÖAV gewartet wird, was so viel heißt, dass keine Wegmarkierungen vorhanden sind. Dennoch ist dieser Weg gut sichtbar und es geht halt jetzt von Steinmanderl zu Steinmaderl und nicht mehr nach rot-weißen Markierungen. Der Winterweg verläuft nun kontinuierlich steil über viele, viele Gletscherschliffplatten am Rand der Schlucht des Alpeiner Bachs nach unten. Soviel Gletscherschliff wie hier ist mir nur selten untergekommen. Obwohl die Gletscherschliffplatten recht groß sind und augenscheinlich glatt aussehen, sind diese sehr griffig, auch wenn ab und zu mal ein keines Rinnsal darüber fließt. Für die Kids ist dieser Abstieg pures Abenteuer, da sie hier mehr krackseln als gehen müssen. Aber auch für kleinere Kinder ist dieser Bereich bei etwas Übung und entsprechender Trittsicherheit gut machbar und an den wenigen kritischen Stellen reicht eine Hand zur Sicherung völlig aus. Nach gut 30 min. und 200 hm verlassen wir nun die Schlucht des Alpeiner Bachs und laufen auf schmalen Wegen durch den Wald mit nur noch mäßigem Gefälle. Eine kleinere Herausforderung galt es nochmal zu meistern: kurz bevor wir das Viehgatter wieder erreichten, war der Weg teils etwas abgerutscht. Aber auch diese Stelle konnte von den Kids dank einer helfenden Hand vom Papa problemlos bewältigt werden. Die letzten Meter ging es nun wieder über den Wirtschaftsweg bis zum Auto. Nein noch nicht ganz, erst mussten nochmal ein paar Murmeltiere auf dem Weg beobachtet werden.

Zum Abschluss gab es dann noch eine wohl verdiente frische Milch in der Oberissalm.


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Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch euer Mountainbatchers Team !!
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