Vom Fuß des Mölltalgletschers über die Duisburger Hütte zur Mittelstation

Zahlen & Fakten: Parkplatz: ca. 1217 m
Höchster Punkt: ca. 2792 m

Höhenunterschied: ca. 567 m
Länge: ca. 3 km
Dauer: ca. 2 Std.
Parken & Anfahrt: Parkplatz Mölltaler-Gletscherbahn

Um die Anfahrt zu planen, nutze bitte die interaktive Karte ganz
unten. Beim klicken auf den Pin kann die Routenplaner-Funktion genutzt werden.

Hinweise: Kleidung im Zwiebelprinzip
Schwierigkeit:
Kinderwagentauglich:
Landschaft:
Aussicht:
Outdooractive link: Hier klicken

Schon vor zwei Jahren haben wir Kärnten als neues Ziel für den Sommerurlaub für uns entdeckt. Zum einen ist hierfür natürlich die grandiose Naturkulisse, die u.a. die hohen Tauern, die Lienzer-Dolomiten, die Karnischen Alpen oder auch die Karawanken bilden, ausschlaggebend. Auch dass es sich hier um geschichtsträchtigen Boden mit Hinterlassenschaften vieler historischer Kulturen handelt, der in vielen Museen, Erlebniswelten u.a. aufgearbeitet wird, ist für uns durchaus interessant. Das alles gilt aber sicher auch für andere Gebiete in den Alpen. Allerdings haben nur wenige eine so umfängliche Tourismus Card im Angebot wie die KärntenCard. Wir schätzen sie sehr, da sie gerade Familien ermöglicht im Urlaub ein breites Erlebnisangebot wahrzunehmen, ohne in die Kostenfalle zu tappen. Unter anderem sind auch mehrere Bergbahnen vollwertige Kooperationspartner.

moelltal-gletscher014_wmDie Wahl fiel in diesem Jahr auf die Bergbahnen des Mölltaler Gletschers. Hier überwindet zuerst der “Gletscher Express” als weltweit längste unterirdische Standseilbahn mit einer Geschwindigkeit von 43 km/h eine Höhendifferenz von über 1000 Metern. So in die Höhe von 2200 m “katapultiert” reist man im Anschluss noch gemütlich mit der 6er Gondel “Eissee” weitere 600 Höhenmeter bis zum Fuß des Mölltaler Gletschers. Wer jetzt möchte, kann auch noch mit der Sesselbahn bis zur Bergstation auf 3122 m weiterreisen. Letzteres ist allerdings dann nicht mehr in der KärntenCard inkludiert.

moelltal-gletscher001_wmAuch wir wollten ursprünglich eigentlich bis in diese Höhe vordringen, um den Kindern einmal das Erlebnis “Schnee und Eis im Sommer” zu bieten. Entsprechend hatten wir schon im Vorfeld kleidungstechnisch vorgesorgt. So trugen z.B. beide Kinder, trotz angenehmer 18° C im Tal, angeraute Übergangspullis und noch eine dicke Leggings unter der Wanderhose. Und auch die mitgeführten Jackenkombis waren für Temperaturen bis um die 0°C ausgelegt. Die erste Schicht zogen wir dabei schon beim Betreten der Kabinenbahn im Tal an, denn durch den Tunnel drang die eisige Luft der Höhe bis nach hier unten.

Nachdem die vorangegangenen Tage die tiefhängenden Wolken meist die Gipfelregionen erfassten, gab es nun doch immer wieder Wolkenlücken. Und auch wenn es von der Talstation den Eindruck machte, dass auch der Gipfel des Schareck noch in den Wolken lag, machten uns die morgendlichen Livebilder von der Mittelstation und dem Bergrestaurant sowie die Wolkenbewegungen doch Hoffnung auf einen schönen Bergtag. Noch beim Besteigen der Gondel in 2200 m bestärkte uns der dortige Mitarbeiter in dieser Einschätzung, da auch er meinte, dass es wohl in nächster Zeit noch aufreißen und sich die Sonne dann Bahn brechen würde.

Gerade mal zwei Stützen vor der Ankunft am Bergrestaurant tauchte unsere Gondel dann in die Wolken ein und wir konnten den darin herrschenden Wind um uns herum pfeifen hören. Entsprechend wurden wir auch nach dem Aussteigen am Fuß des Mölltaler Gletschers von einem schneidigen Wind empfangen und wir entschieden uns spontan gegen eine weitere Auffahrt mit dem Sessellift. Diese wäre allerdings auch gar nicht möglich gewesen, denn wie uns die Anzeigetafel vor dem Bergrestaurant nun zeigte, war außer dem “Gletscher Express” und der “Eissee” Gondel witterungsbedingt gar keine weitere Bahn in Betrieb.

Moelltal01Stellte sich nun also die Frage, was tun: hier oben einen Kaffee/Kakao trinken und wieder mit der Gondel abfahren oder den Weg zu Fuß über die Duisburger Hütte zur Mittelstation in Angriff nehmen. Da wir ja gerade frisch aufgefahren waren und hier beobachten konnten, dass Wind und Wolken ja erst zwei Stützpfeiler vor Bahnende eingesetzt hatten, davor aber ruhiges, wenn auch bedecktes Wetter, herrschte, entschieden wir uns für den Abstieg.

moelltal-gletscher002_wmNachdem wir also vor allem die Kinder noch weiter Wind- und Wetterfest eingepackt hatten, machten wir uns auf den Weg über die nun als breite Gras- und Schotterpiste vor uns liegende Skiabfahrt. Dabei stets dem über dem Gletscher stark heruntergekühlten Wind ausgesetzt, verpassten wir den ersten Einstieg in den der Piste vorgelagerten Pfad zur Duisburger Hütte. Da aber auch die Abfahrt dort vorbeiführt, war das aber nicht weiter tragisch. Und nachdem wir eine etwas steilere Passage ohne größere Schwierigkeiten quer zum Hang passiert hatten, war auch der Pfad gut markiert und deutlich ausgetreten gefunden. Von da ab folgten wir nun diesem schmalen Weg entlang der Bergfront hinunter zur auf 2572 Metern gelegene Duisburger Hütte.

Im Grunde ist dies kein sonderlich schwieriger Weg, der mit etwas Trittsicherheit auch gut zu meistern ist. Allerdings wurde unser Abstieg dadurch erschwert, dass entgegen der Erfahrung der Auffahrt der starke Wind sich nun bis weit über die vorletzte Stütze hinaus ausgebreitet und auch sehr an Stärke zugenommen hat. Wir konnten immer wieder beobachten, wie die Gondeln über unseren Köpfen hin und her geschaukelt wurden. Und immer öfters wurde die Anlage auf Grund des immer stärker aufziehenden Sturms auch kurzzeitig angehalten. Auch wir wurden nun Zusehens durchgeblasen und ab und an auch von einigen Regentropfen getroffen, so dass wir den Abstieg möglichst zügig fortführten. Dass dieser Bericht daher auch etwas weniger als gewöhnlich mit Bildern illustriert ist, sei uns aus daher bitte verziehen.

Moelltal02Schließlich erreichten wir aber nach knapp 50 Minuten die bewirtschaftete Duisburger Hütte, in die wir uns nun erst einmal für die Mittagsrast zurückzogen. Abgeschirmt von den Wetterkapriolen vor der Tür ließen wir uns von der Hüttenwirtin als aktuell einzige Gäste mit Speis und Trank verwöhnen. In Erinnerung an unsere gerade erst absolvierte erste Hüttenübernachtung spekulierten wir im Spaß auch dahin gehend, dass wir, sollte das Wetter noch schlechter werden, auch einfach kurzer Hand eine improvisierte Nacht auf der Duisburger Hütte verbringen könnten. Eine Vorstellung, die vor allem den Kindern nicht behagte, denn schließlich waren ihre Teddys diesmal nicht mit aufgestiegen und saßen wartend unten im Auto.

Nach etwa einer Stunde in der trockenen und warmen Hütte hieß es aber dann doch weiter marschieren. Offiziell ist der weitere Abstieg zur Mittelstation mit ca. 45 Minuten angegeben. Mit den Kindern benötigen wir bei guten Bedingungen im Durchschnitt nochmal etwas die Hälfte der angegebenen Zeit zusätzlich, so dass dies eine zu erwartende Wegzeit von etwa 1 1/4 Stunden ergab. Bei den herrschenden Wetterbedingungen wollten wir aber ein etwas langsameres Vorankommen nicht ausschließen. Und da die letzte Bahn des “Gletscher Express” um 16 Uhr ins Tal fährt, wollten wir einen ausreichenden Puffer hierfür haben, um nicht hektisch und somit unvorsichtig zu werden.

moelltal-gletscher013_wmErst als wir nun wieder ins Freie traten merkten wir, dass in der vergangenen Stunde wohl doch ein schlechteres Wetter über uns hinweg gezogen sein musste, als wir es im Inneren der Hütte je wahrgenommen hätten. Als nämlich unser Blick hoch zur Gondelbahn fiel, bemerkten wir, dass hier sämtliche Gondeln ausgehängt waren und der Betrieb eingestellt war. Ehrlich gesagt irritierte uns das durchaus ein wenig, denn zu diesem Zeitpunkt war der Himmel lichter und der Wind geringer, als jemals seit unserer Ankunft oben am Berg. Und auch die Hüttenwirtin war ja zuversichtlich gewesen, dass unserem weiteren Abstieg nichts im Wege steht. Aber was hätten wir angesichts der stillgelegten Gondelbahn auch für eine Alternative gehabt, als die gerade noch scherzhaft angedachte Nacht in der Hütte.
Moelltal03Während wir also so unseren weiteren Weg über die Steinplatten entlang des Hangs gingen, nahm aber auch schon nach wenigen Gehminuten auch die Bahn über unseren Köpfen wieder ihre Fahrt auf. Nach und nach wurden mehr und mehr Gondeln wieder ein gehangen und zeigten uns, dass wir nun wohl doch das ärgste des Wettersturzes überstanden hatten. Und tatsächlich, bis auf ein weiteres kurzes Intermezzo mit nochmals auffrischendem böigem Wind und leichtem Nieselregen, wurde das Wetter nun zusehends besser.

Moelltal04Der Pfad selber war für die weiteren 337 Höhenmeter weiterhin alpin ausgelegt. Und auch wenn die Kinder weitestgehend gut damit zurecht kamen, sollte man in solchem Gelände nie außer Acht lassen, dass es eben Kinder sind, die sich auch mal leicht ablenken lassen und deren Konzentrationsbögen deutlich kürzer sind. Eine gewisse Sicherung durch die Erwachsenen ist von daher vor allem bei jüngeren Kindern unabdingbar.

Nach etwa einer 3/4 Stunde Wegzeit erreichten wir schließlich wieder die Skipiste über die nun der weitere Abstieg geführt wird. Bestand die Schwierigkeit des ersten Teils des Weges in seiner Ausgesetztheit, lag sie nun in den immer wieder auftretenden Geröllstrecken. Hinzukam, dass die Kinder diese auf Grund ihrer Optik und der breiten Ausgestaltung des Weges anfangs tatsächlich unterschätzen und meinten den Berg nun in bester Spaziergeh-Manier hinunterschreiten zu können. Nach ein oder zwei kurzen Ausrutschern, die dank relativ flachen Gelände und weiterhin bestehender Sicherung aber stets sturzfrei verliefen, war ihnen aber schnell wieder klar, dass wir uns immer noch im Berg bewegten und daher eine gewisse Konzentration von Nöten war.

Moelltal05Um diese Einstellung zu halten und zu fördern überbliesen jetzt aber wir augenscheinlich den Kindern die Führung den Berg hinab. Die Aufgabe nun den richtigen Weg über die Piste zu finden motivierte sie deutlich. Und wo sie doch einmal zu stark vom “rechten Weg” abzudriften drohten, liesen sie sich leicht durch kleine Hinweise korrigieren ohne das Gefühl zu bekommen, nicht mehr die Kontrolle zu haben. Und da das Gelände nun – wie gesagt – nicht mehr zu steil war, konnte man auch ruhig ab und an mal von den ausgetretenen Pfaden abweichen und die Kinder ihren eigenen Weg finden lassen. So merkten sie selber schnell, dass man Geröllstrecken leichter quer zum Berg passiert oder dass man auf ihnen, wenn schon gerade den Berg hinunter, dann am besten im Seitschritt absteigt.

Auf diese spielerische Art lernten die Kinder auch noch einige grundlegende neue Dinge für die Bewegung am Berg und wir kamen trotz der widrigen Wetterbedingung unter 1,5 Stunden und ohne Quengeln hinunter zur Mittelstation.

Karte_Moelltal
 
Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch euer Mountainbatchers Team !!
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